Es gibt Karrieren im deutschen Reality-TV, die man schlichtweg nicht erfinden kann. Zu denen zählt wohl zweifellos die von Hanka Rackwitz. Wer erinnert sich nicht an ihre extravaganten Auftritte in der zweiten Staffel von „Big Brother“ im Jahr 2000, die ihr in der Medienlandschaft den resoluten Spitznamen „Hexe Hanka“ einbrachten? Oder an ihre jahrelange, markante TV-Präsenz als schlagfertige Immobilienexpertin in der Kult-Doku „mieten, kaufen, wohnen“? Doch wer dachte, die 1969 in Merseburg geborene Entertainerin würde sich nun endgültig auf ihren TV-Lorbeeren ausruhen, sieht sich gewaltig getäuscht. Sie tauscht das gleißende Studiolicht gegen gemütliche Thekenbeleuchtung und eröffnet im beschaulichen 270-Einwohner-Dorf Freist (Sachsen-Anhalt) eine eigene Dorfkneipe.
Ein Sieg über die eigenen Dämonen
Dass Hanka Rackwitz heute als stolze Wirtin hinter dem Tresen des altehrwürdigen „Dorfkrugs“ steht, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines langen, extrem kräftezehrenden Kampfes. Jahrelang litt die Reality-Darstellerin unter schweren Angst- und Zwangsstörungen, die ihren Alltag massiv einschränkten. Spätestens seit ihrem mutigen Seelenstriptease im Dschungelcamp 2017 und ihrem Buch „Ich tick’ nicht richtig“ wissen wir, wie hart diese psychischen Herausforderungen für sie waren.
Dass sie einmal eine Gaststätte führen würde, hielt sie selbst lange Zeit für völlig unvorstellbar. Umso bemerkenswerter ist ihr heutiger Befreiungsschlag. Gegenüber RTL brachte Hanka Rackwitz ihren persönlichen Triumph mit schonungsloser Ehrlichkeit auf den Punkt: „Wenn ich die Zwänge noch hätte, würde nichts von dem gehen, was ich hier tue. Ich habe heute fremden Urin weggemacht.“ Ein Satz, der eindrucksvoll beweist, wie sehr sie ihre inneren Hürden mittlerweile überwunden hat.
Die „Dorfmaus“ findet ihr neues Zuhause
Der Weg nach Freist war dabei eher ein Zufall. Ein Bekannter machte Hanka Rackwitz auf das leerstehende, über 100 Jahre alte Gasthaus aufmerksam. Die Begeisterung war sofort da: Eine klassische Gaststube, ein uriger Saal, eine Bowlingbahn und ein Biergarten ließen das Herz der gelernten Lehramtsstudentin höher schlagen. Auch der örtliche Bürgermeister Jens Denner und die Anwohner signalisierten früh, dass sie den „Dorfkrug“ unbedingt wieder mit Leben füllen wollen.
Aktuell lebt die gebürtige Merseburgerin noch im Wasserschloss St. Ulrich im nahegelegenen Mücheln. Künftig soll Freist jedoch ihr fester Lebensmittelpunkt werden. „Ich bin eine Dorfmaus“, sagt Hanka Rackwitz selbstbewusst über sich selbst. Unterstützung bei diesem gewaltigen Schritt bekommt sie von ihrem früheren Partner Pierre, der beim intensiven Umbau und den logistischen Vorbereitungen kräftig mit anpackt.
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Zwischen Rote-Bete-Carpaccio und Karaoke
Wer nun aber erwartet, dass es im neuen „Dorfkrug“ ausschließlich die klassische Fettpfanne und simple Hausmannskost gibt, unterschätzt die Innovationskraft von Hanka Rackwitz. Anstatt sich auf klassischen Kneipen-Klischees auszuruhen, bringt sie frischen gastronomischen Schwung in das 270-Seelen-Dorf. Neben der bodenständigen Currywurst plant sie laut Berichten der „Mitteldeutschen Zeitung“ eine Speisekarte, die sich definitiv sehen lassen kann. Wir dürfen uns auf kulinarische Highlights wie „Rote-Bete-Carpaccio mit karamellisiertem Apfel und Meerrettichschaum“ oder „Chili-Cheeseburger in verschiedenen Schärfegraden, dazu Long Fries und Coleslaw“ freuen.
Die Vision der frischgebackenen Wirtin geht jedoch weit über das reine Essen hinaus. Hanka Rackwitz träumt von ausgelassenen Karaoke-Abenden, geselligen Bingo-Runden und einem gemütlichen Sonntagsbrunch mit Picknickdecke im Freien. „Ich möchte Menschen eine gute Zeit machen“, lautet ihr klares Credo. Ein Konzept, das offenbar ankommt: Bereits zur Eröffnung am vergangenen Sonntag durfte sie rund 40 neugierige und hungrige Gäste begrüßen.
