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Was macht eigentlich der Rapper Rockstah?

Max Nachtsheim aka Rockstah startete einst im Deutschrap durch. Seine Geschichte über geplatzte Träume, unberechenbare Hypes und ein neues Imperium

Wir schreiben das Jahr 2012. Gangster-Rap dominiert die deutschen Charts, harte Straßen-Geschichten geben den musikalischen Ton an und testosterongeladene Posen sind in der Szene an der absoluten Tagesordnung. Doch genau in dieses klischeebehaftete Szenario platzte plötzlich ein Typ aus Hessen, der so gar nicht ins übliche Raster passen wollte.

Unter dem Künstlernamen Rockstah schnappte sich Max Nachtsheim (damals 26) das Mikrofon und textete stattdessen lieber voller Stolz über Videospiele, Comics und das Außenseiter-Dasein. Er trat an, um die hiesige Hip-Hop-Szene mal so richtig auf den Kopf zu stellen – mit einer ordentlichen Portion Selbstironie statt künstlicher Härte. Doch der Weg vom provokanten Nerd-Rapper zum heutigen Podcast-Pionier und Unternehmer war alles andere als geradlinig. Wir haben ihn zu einem Gespräch getroffen und blicken gemeinsam auf seine faszinierende Karriere zurück.

Aufstieg durch die Nerdrevolution

Die musikalischen Wurzeln von Rockstah reichen weit zurück ins Jahr 2005. Eigentlich wollte er zunächst in die Fußstapfen seines berühmten Vaters, der Badesalz-Legende Henni Nachtsheim, treten und Comedy machen. Doch dieser Versuch ist, wie er heute selbst zugibt, 2004 grandios gescheitert. Aus der Not heraus nahm er stattdessen 2005 an einem Freestylebattle in Aschaffenburg teil und gewann prompt! Aus dem gescheiterten Comedian wurde so plötzlich ein Rapper, der schnell merkte, dass er auf der Bühne absolut zu Hause ist.

Während seiner ganz bodenständigen Ausbildung zum Mediengestalter feilte er fortan unermüdlich an seinen Texten und ersten Demos. Diese harte Arbeit zahlte sich bald aus. Sein 2008 veröffentlichtes Mixtape „Glamrockrapper“ knackte schnell die Marke von 10.000 Downloads. Doch der absolute Durchbruch folgte 2010: Mit dem Debütalbum „Nerdrevolution“ gelang es ihm, endgültige in der Szene Fuß zu fassen, und auch in der breiten Medienlandschaft präsent zu sein. Plötzlich hatte jeder Rockstah auf dem Schirm.

Das Besondere an seiner Musik war ein völlig neuer Ansatz. Statt krampfhaft erfundene Gangsterklischees zu bedienen, die damals den Markt dominierten, textete er voller Stolz über Videospiele, Comics und das Gefühl, irgendwie nirgendwo so richtig dazuzugehören. Damit traf er den Nerv einer ganzen Generation. Es folgten unzählige Liveauftritte und Touren mit namhaften Rapgrößen wie Prinz Pi, Casper oder den Orsons sowie gefeierte Auftritte auf den ganz großen Festivalbühnen wie etwa dem Splash.

Rockstah
Foto: Rockstah

Der Moment, als Cro ihm unabsichtlich die Show stahl

Zwei Jahre nach diesem großen Durchbruch folgte eine der kuriosesten Anekdoten seiner gesamten Laufbahn. Rockstah zog 2012 gemeinsam mit Ahzumjot und einem zu dieser Zeit noch fast völlig unbekannten Newcomer namens Cro auf der Crockstahzumjot-Tour als großer Headliner durch die Lande. Doch dann geschah etwas Unvorhersehbares. Genau in dieser Tournee veröffentlichte Cro seinen Megahit „Easy“.

Die Auswirkungen waren enorm. Aus den ursprünglich geplanten 20 bis 30 Prozent verkauften Tickets wurden in jeder Tourstadt quasi über Nacht plötzlich 100 Prozent. Cro wurde aus dem Nichts zum absoluten Superstar und stahl dem eigentlichen Headliner völlig unabsichtlich, aber unausweichlich die Show. Rockstah musste seine Hauptrolle schließlich abtreten, da nach Cros Auftritt sonst schlichtweg alle Hallen leer gewesen wären, wie er heute ehrlich und reflektiert zugibt.

Doch dieser unfreiwillige Rollentausch hatte auch etwas extrem Gutes. Im millionenfach geklickten Musikvideo zu „Easy“ trugen Darsteller nämlich Kleidung von Max‘ damals noch winziger Modemarke „Nerdy Terdy Gang“. Dieser unerwartete massive Promoboost machte das Label, welches er zu dieser Zeit noch ganz bescheiden aus seinem heimischen Kinderzimmer heraus betrieb, schlagartig populär.

Die Neuerfindung als Podcast-Pionier

Zwar konnte Rockstah 2014 mit seinem Nachfolge-Album „Pubertät“ noch einen beachtlichen Einstieg auf Platz 37 der deutschen Albumcharts feiern, doch der ständige Erwartungsdruck der Musikindustrie wurde immer größer. Anstatt daran zu zerbrechen, fand er eine neue Liebe in einem Medium, das damals in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte: dem Podcast. 2014 startete er gemeinsam mit Christian Gürnth und Dominik Hammes das Format „Radio Nukular“.

Rockstah, Radio Nukular
Foto: instagram.com/radionukular

Das Projekt schlug ein wie eine Bombe und veränderte seinen Fokus komplett. Plötzlich sprachen ihn die Menschen gar nicht mehr auf Rockstah an, sondern fast ausschließlich auf den Podcast. Das Format wurde so erfolgreich, dass das Trio riesige Live-Tourneen spielte und große Hallen füllte. Er baute dieses neue Standbein massiv aus, rief 2015 den „Rumble Pack“-Podcast ins Leben und gründete 2016 gemeinsam mit Christian Blos das Erfolgsformat „Im Autokino“, das bis heute eine riesige Fangemeinde besitzt. 2018 erschien dann mit „Cobblepot“ auch wieder eine Platte als Rockstah, doch der Lebensmittelpunkt hatte sich längst verschoben.

Von der „Nerdy Terdy Gang“ zur eigenen World

Parallel zu seinen musikalischen und podcastseitigen Erfolgen legte Max also schon früh den Grundstein für ein weiteres Standbein. Was aus dem Kinderzimmer heraus als kleines Streetwear-Modelabel began entwickelte eine enorme Eigendynamik. Über die Jahre wuchs die Marke „Nerdy Terdy Gang“ weit über die Grenzen von reiner Mode hinaus. Aus der einstigen Gang ist mittlerweile ein riesiges, eigenständiges Imperium entstanden: die „Nerdy Terdy World“. Heute widmet er sich diesem Projekt intensiver denn je. Der dazugehörige Store im hessischen Rodgau hat sich zu einer echten Erlebniswelt für Popkultur, Trading Cards und Sammlerstücke entwickelt – ein florierendes Business, in das all seine Leidenschaft für nerdige Themen einfließt.

Rockstah
Foto: Marc Märker

Rückschläge und die Bretter, die die Welt bedeuten

Im Herbst 2019 ging er dann doch als Comedian mit seinem ersten Stand-up-Programm „Das große Comedycomeback“ auf eine ausverkaufte Deutschland-Tour. Der Erfolg gab ihm recht und im Frühjahr 2020 stand er kurz vor der Unterschrift eines großen Management-Deals in Köln, der ihn aufs nächste Level heben sollte. Doch nur zwei Tage vorher habe der allererste Corona-Lockdown das gesamte Land lahmgelegt und ihm beruflich wie emotional komplett den Stecker gezogen, berichtet Max uns.

Rockstah
Foto: Björn Weinbrandt

Als er die Comedy im Jahr 2023 nach der Pandemie wieder reaktivieren wolle, habe er nur noch massiven Stress gespürt. Er habe den gesunden Entschluss gefasst, die Reißleine zu ziehen, da er nach eigenen Angaben für sein eigenes Glück nicht zwingend der Nabel der Welt sein müsse.

Heute steht er zwar wieder regelmäßig auf der Bühne, allerdings in einem völlig anderen Kontext: Er spielt in dem von seinem Vater Henni geschriebenen Eintracht-Frankfurt-Theaterstück „Adlerherzen“ mit. Das Kuriose daran ist, dass Max nach eigener Aussage mit Fußball absolut gar nichts am Hut hat und wenn er dann seinem Vater zuliebe mal im Stadion ist, eigentlich nur eine Bratwurst essen will. Dennoch genießt er die unaufgeregte Schauspielerei im restlos ausverkauften Haus.

„Wie Vater und Sohn“

Auch ein gemeinsames Herzensprojekt mit Henni Nachtsheim prägte die jüngere Vergangenheit. Im Jahr 2024 starteten die beiden den gemeinsamen Podcast „Wie Vater und Sohn“. Die treuen Hörer liebten die charmanten und humorvollen Gespräche zwischen den Generationen. Aktuell liegt das Projekt jedoch auf Eis.

Rockstah, Henni Nachtsheim
Foto: Joerg Steinmetz

Neben dem tragischen Verlust von Badesalz-Legende Gerd Knebel in diesem Jahr, der der Familie schwer zusetzte, spielte hierbei auch eine Rolle, dass sich das extrem aufwendige und teure Format finanziell schlichtweg noch nicht getragen hat.

Ein musikalisches Abschiedsfinale als Zukunftstraum

Trotz des starken Fokus auf andere Dinge schließt Max eine späte Rückkehr zu seinen Wurzeln keineswegs kategorisch aus. Bei einem seiner regelmäßigen Trips nach Holland, wo er traditionell in kreativer Umgebung an neuen Ideen arbeitet, wurde ihm jedoch eines klar: Nach all den Jahren abseits des aktiven Hip-Hop-Schreibprozesses ist der Weg zurück an die Feder gar nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Dennoch steht sein Entschluss fest: Er will unbedingt noch eine letzte, musikalisch reife Abschlussplatte als Rockstah aufnehmen.

Dass ihn seine Vergangenheit dabei keineswegs loslässt, beweist auch sein aktueller Fokus auf Social Media. In einem neuen Social-Media-Format widmet sich Max derzeit intensiv seinem musikalischen Erbe. Er hört sich dort seine alten Rockstah-Songs noch einmal ganz in Ruhe an, analysiert die Texte von damals und stellt kritisch auf den Prüfstand, wie gut seine alten Tracks eigentlich gealtert sind.

@rrrockstah

Ich stelle mir die Frage: „Wie gut ist mein Song gealtert?“ Folge 1: SIE HAT GESCHURZT – 2008 Ihr dürft in den Kommis natürlich gern mitbewerten #rockstah #deutschrap #coverversion #schurzen #2008

♬ Originalton – Rockstah

Es ist eine spannende Reise zurück zu den Anfängen, bei der er seine Fans hautnah daran teilhaben lässt, wie er heute – mit dem nötigen Abstand und der Erfahrung von über einem Jahrzehnt – auf sein eigenes Schaffen blickt.