Wenn Lee Ryan (43) mit seiner britischen Band „Blue“ die Bühne betritt, ist nostalgisches Kreischen vorprogrammiert. Rund 25 Jahre ist es nun her, dass die Jungs mit ihrem Mega-Hit „All Rise“ über Nacht weltbekannt wurden. Anlässlich dieses gewaltigen Meilensteins geht die Boyband 2026 auf große Jubiläumstour. Den fulminanten Startschuss liefert dabei das „Glücksgefühle“-Festival am 4. und 5. September, das live vom Hockenheimring übertragen wird. Doch bevor Lee Ryan sich wieder von den Massen feiern lässt, schlägt er in einem neuen BILD-Interview überraschend ernste und verletzliche Töne an.
Späte Gewissheit durch eine Autismus-Diagnose
Das Thema psychische Gesundheit liegt dem 43-Jährigen heute mehr am Herzen denn je. Der Grund dafür ist höchst privat: Vor etwa drei Jahren wurde bei dem Musiker Autismus diagnostiziert. Ein Befund, den er selbst noch immer verarbeitet und nicht allzu oft öffentlich thematisiert. Oft fällt ihm gar nicht auf, dass er Situationen ganz anders wahrnimmt als sein Umfeld, weshalb er seine Mitmenschen manchmal direkt fragen muss, wie er eigentlich auf sie wirkt.
Doch die Diagnose lieferte ihm endlich handfeste Erklärungen für seine extremen Stärken und Schwächen. So erklärt sie einerseits seine unfassbare Geschwindigkeit im Tonstudio, wo er Melodien und Texte oft in Minutenschnelle verfasst. Andererseits kämpft er massiv mit sensorischen Überlastungen. Wenn ihn Reize komplett überfordern, wird er schnell ungeduldig und verliert manchmal völlig ungewollt die Kontrolle über sich.
Keine Reue trotz gnadenloser Öffentlichkeit
Wenn er heute auf die wilden Anfangsjahre von „Blue“ zurückblickt, sieht er die damalige Zeit mit gemischten Gefühlen. Die mediale Landschaft der frühen 2000er Jahre beschreibt er als unerbittlich. Fehler zu machen, war für junge Stars damals extrem hart, man wurde schnell auf seine schlimmsten Momente reduziert und von der Presse regelrecht fertiggemacht. Trotz dieser harten Lektionen würde er seinem jüngeren Ich heute zwar am liebsten erst einmal eine Ohrfeige verpassen, seine Vergangenheit aber dennoch nicht umschreiben wollen. Er glaubt fest an den Butterfly-Effekt: Jede noch so schwierige Erfahrung habe ihn genau dorthin geführt, wo er heute steht.
Lee Ryans Familie als sicherer Hafen
Und dort steht er heute augenscheinlich glücklicher denn je. Für Lee Ryan bedeutet das Vatersein mittlerweile weitaus mehr als jeder glitzernde Karriereerfolg. Der sechsfache Vater und hingebungsvolle Ehemann gesteht jedoch, dass es gerade für Männer oft noch immer ein gewaltiges Tabu ist, Schwäche zu zeigen. Auch er selbst spürt den inneren Druck, für seine Frau stets der starke Beschützer sein zu wollen und Sicherheit auszustrahlen. Doch trotz all dieser inneren Kämpfe hat der Sänger ganz offensichtlich seinen Weg gefunden, mit seiner Diagnose umzugehen – und blickt nun voller Vorfreude auf das musikalische Wiedersehen mit seinen Fans.
