Es war die ewige Glaubensfrage, an der sich Generationen von deutschen Punkrock-Fans unermüdlich abgearbeitet haben: Die Toten Hosen oder Die Ärzte? Beim seit Monaten restlos ausverkauften Hauptstadt-Konzert von denToten Hosen trauten die 70.000 Besucher im Berliner Olympiastadion ihren Augen kaum, als während der Zugabe urplötzlich Farin Urlaub die große Bühne enterte.
Ein historischer Moment für 70.000 Tote Hosen Fans
Der 62-jährige Ärzte-Frontmann ließ es sich nicht nehmen, den Düsseldorfern auf heimischem Boden die Ehre zu erweisen. Zur kollektiven Ekstase der Massen performte Farin Urlaub zunächst „Hier sind die Hosen“, den Opener des aktuellen Studioalbums „Trink aus, wir müssen gehen!“. Doch damit nicht genug: Gemeinsam mit Campino stimmte er im Anschluss den ikonischen Anti-Nazi-Hit „Schrei nach Liebe“ an. Ein Moment, in dem wirklich das gesamte Stadion den legendären Refrain lautstark mitgrölte. „Und det in Berlin“, kommentierte Farin Urlaub die surreale Szenerie auf der Bühne beinahe ungläubig.
Dass aus den einstigen Konkurrenten längst enge Freunde geworden sind, war nicht zu übersehen. Die beiden Frontmänner umarmten sich innig, während der 64-jährige Campino seinem Berliner Kollegen direkt eine Wette anbot: Er sei sich sicher, dass Die Ärzte dieses gigantische Stadion sogar mühelos zweimal füllen könnten.
Geniale Stichelei am Bahnhof
Dass der sensationelle Gastauftritt von Farin Urlaub kein spontaner Zufall war, durften aufmerksame Besucher bereits bei der Anreise erahnen. Mit einem genialen PR-Schachzug hatten Die Ärzte an der S-Bahn-Station Olympiastadion riesige Plakate aufhängen lassen, auf denen sie den Fans der Toten Hosen scheinheilig „viel Spaß“ beim Konzert wünschten.

Und dieser Spaß war den Zuschauern ohnehin garantiert. Schon das hochkarätige Vorprogramm mit den legendären Stranglers („Always the Sun“) und den Lokalmatadoren der Beatsteaks heizte der Menge ordentlich ein. Als Campino und seine Bandkollegen schließlich die Bühne übernahmen und eine perfekte Mischung aus unsterblichen Evergreens wie „Hier kommt Alex“ oder „Tage wie diese“ sowie den frischen Songs ablieferten, wurde allen klar: Für das musikalische Altenheim sind Die Toten Hosen definitiv noch viel zu gut. Es wäre nur allzu schade, wenn Die Ärzte das nicht bald kontern würden.
