Er gehört zu den kreativsten Köpfen der deutschen Musikszene, doch seine musikalischen Wurzeln liegen nicht in einer hippen Großstadt. Alligatoah (bürgerlich Lukas Strobel) wuchs in dem beschaulichen niedersächsischen Dorf Neuenwalde auf. Im Format „Zum Dorfkrug“ des Musikmagazins DIFFUS gewährte der wortgewandte Rap-Star nun überraschend tiefe und ehrliche Einblicke in seine Jugendjahre. Dabei kam eine völlig absurde Geschichte ans Licht, die heute wohl für einen massiven Skandal sorgen würde.
Provokantes Rap-Video löste Amok-Panik aus
Als Jugendlicher verbrachte der Rapper unzählige Stunden am Rechner, spielte den Taktik-Shooter Counter-Strike und begann früh, in seinem Kinderzimmer eigene Musik zu produzieren. Mit 16 Jahren lud er schließlich sein allererstes Musikvideo auf der damals populären Video-Plattform MyVideo hoch. Der Clip war stark an die Ästhetik des Ballerspiels angelehnt: Der junge Rapper zog sich eine Terroristen-Maske über das Gesicht, ballerte wild herum und schrie aggressiv in die Kamera. Was für ihn lediglich ein kreativer und provokanter Spaß im wilden Zeitalter des frühen Internets war, schlug in der realen Welt jedoch gewaltige Wellen.
Die Plattform MyVideo war damals geschäftlich eng mit dem TV-Sender Pro7 verknüpft. „Irgendwann bekamen meine Eltern einen Anruf von einem besorgten Menschen, der scheinbar bei Pro7 arbeitete und meine Eltern darauf hinweisen wollte, dass ihr Sohn kurz vorm Amoklauf steht“, erinnerte sich Alligatoah im Interview. Eine Reaktion, die rückblickend nicht völlig aus der Luft gegriffen war, da der Vorfall exakt in eine Zeit fiel, in der die mediale Angst vor gewaltbereiten jugendlichen Gamern und sogenannten „Killerspielen“ auf dem absoluten Höhepunkt war.
Die überraschende Reaktion seiner Eltern
Wer nun glaubt, dass dieser alarmierende Anruf zu einem strengen Hausarrest oder Computer-Verbot führte, der irrt sich gewaltig. Der Erfolgs-Musiker stammt aus einem überaus alternativen und künstlerischen Elternhaus, das er selbst als sehr spirituell und tolerant beschreibt. Die Reaktion seiner Eltern fiel daher völlig anders aus, als es der besorgte TV-Sender wohl erwartet hätte.
Statt ihren Sohn zu maßregeln, zeigten sie sich begeistert von seiner Kreativität. „Die Konsequenz daraus war, dass meine Eltern mir gesagt haben, wie toll sie das finden“, erzählte Alligatoah lachend. Sie boten ihm sogar direkt ihre volle Unterstützung, Requisiten und Kostüme für den nächsten Dreh an. Jede klassische jugendliche Rebellion sei an dieser absoluten Toleranz und der dauerhaften Harmonie im Elternhaus einfach spurlos abgeprallt.
Vom Dorf-Teenager zum Mega-Feature
Heute blickt Alligatoah auf eine beispiellose Karriere zurück, die er fast vollständig in Eigenregie aufgebaut hat – vom Bauen der Beats bis hin zum Programmieren seiner Website. Der große Mainstream-Durchbruch kam 2013 mit dem Platin-Hit „Willst du“. Von der Dorf-Idylle in Niedersachsen ging es für ihn seitdem steil bergauf, bis hin zu seinem persönlichen Karriere-Gipfel.
Auf seinem 2024 erschienenen Album „Off“, erfüllte er sich einen ultimativen Jugendtraum und nahm einen gemeinsamen Song mit Fred Durst auf, dem Frontmann der legendären Nu-Metal-Band Limp Bizkit. Für den einstigen Teenager, der früher auf dem Land die Musik seines großen Idols rauf und runter hörte, schloss sich damit der Kreis auf die wohl spektakulärste Art und Weise.
